Samstag, 3. April 2010

Von hoch oben geschaut

Zuallererst senden wir an alle unsere lieben Leser frohe Ostergrüsse aus Arequipa! Wir kommen gerade zurück von der Karfreitagsprozession. Ähnlich wie wir es aus Sevilla kannten, ist die Atmosphäre einer Semana Santa-Prozession etwas Besonderes, wenn Tausende Menschen auf der Strasse sind, um dem Marsch zu folgen, und dabei eine andächtige Ruhe herrscht.

Nasca liegt in einem fruchtbaren Tal in Küstennähe, umgeben von einem sehr grossen und vegetationslosen Plateau. Das haben sich die Menschen der Nasca-Kultur ca. 200v.Chr. und noch vor ihnen ein wenig nördlich die weniger bekannten Palpa zunutze gemacht und riesige Scharrbilder in den ebenen Wüstenboden gezeichnet. Es handelt sich dabei um grosse geometrische Formen oder um abstrahierte Abbildungen aus Fauna und Flora, die nur daumentief in den Boden eingraviert und teilweise mehrere Hundert Meter lang sind. Sie konnten entstehen, weil die eisenoxydierte Bodenoberfläche dunkler ist als die Sandschicht darunter. Über zwei Jahrtausende haben diese Figuren schadlos überstanden, Grund dafür waren kein Regen und wenig Verkehr. Das hat sich in den letzten Jahren geändert, der Klimawandel verursacht mehr Niederschläge, aber vor allem Strassen (die Panamericana liegt praktischerweise direkt auf einer geraden Linie eines Bildes!) und Fahrspuren abseits davon gefährden die Zeichnungen.

Die unermüdliche deutsche Forscherin Maria Reiche (1903-1998) machte die Wiederentdeckung der Figuren, die wegen ihrer Grösse nur aus der Luft zu erkennen sind, zu ihrem Lebenswerk und setzte sich persönlich stark für ihren Schutz ein.
Nasca lebt von den Touristen, die hierher kommen und einen Rundflug über die Figuren buchen. Da wollten wir keine Ausnahme bilden und setzten uns in eine siebensitzige Cessna. Obwohl erst im Februar eine Maschine mit Touristen abgestürzt war, machten wir uns keine grossen Sorgen. Die Gefahr, hier in einen gefährlichen Autounfall verwickelt zu werden, stufen wir weitaus höher ein, als dass das nochmals passieren würde, zumal uns die Anbieter seriös erschienen. Neuerdings muss auch ein Copilot mitfliegen, was allerdings die Preise ein wenig verteuert hat. Das Geld war aber sehr gut angelegt, der halbstündige Rundflug (65US$ pro Nase) ist ein absolutes Highlight auf unserer Reise. Und eine halbe Stunde reicht auch, danach ist man ziemlich blass um die Nase, es empfiehlt sich nüchtern zu fliegen...

Es erscheint absolut rätselhaft, warum die Nasca vor über zweitausend Jahren so präzise Linien und Figuren in den Sand schrieben, ohne dass sie sie selbst sehen konnten. Es gibt zahlreiche Erklärungen von astronomischen Kalendern bis zu Landebahnen für Ausserirdische, keine hat bisher überzeugt. Was Maria Reiche herausgefunden hat ist, dass die Figuren auf dem Modul einer 33cm-Elle basieren. Sie müssen im kleinen Massstab entworfen und dann mit dem Ellenmass in den Sand übertragen worden sein und mit Pflöcken und Seilen wurden die Radien erstellt.
Zurück auf dem Boden wollten wir an der Küste entlang der Panamericana fahren, um mal wieder Strand zu sehen. Hier sollte es überall unser begehrtes 95 Oktan-Super geben, hatte man uns im Hochland gesagt. Naja, steht auch dran an der Zapfsäule. Nachdem der Tank bis zum Rand gefüllt war und wir die ersten Meter gemacht hatten, rasselte der Motor so stark, dass wir sofort umgedreht sind und die Sosse an der Tankstelle wieder haben rauslaufen lassen. Das Dumme war nur, dass auch das 95er Benzin an drei anderen Tankstellen kein anderes Resultat brachte.
Vorsichtig und ohne viel Gasgeben sind wir weitergefahren, zunächst vorbei am Friedhof Chauchilla, auf dem einige von angeblich Tausenden Gräbern mit ziemlich gut erhaltenen Mumien einer präkolumbinischen Kultur geöffnet wurden. Die Mumien und ein Haufen Knochen sind allerdings ein wenig pietätlos drapiert und verwesen zusehends, dem scharfen Wüstenwind ausgesetzt, nachdem sie Jahrhunderte in Frieden unter der Erde gelegen haben. 

Weiter ging´s nach Puerto Inka, dem alten Inkahafen von Cusco. Heute gibt es in der Bucht ausser ein paar Ruinen nur das Hotel Inka, das superschön direkt am Strand gelegen ist und Campern ein paar Bastschirme bietet. Am ersten Tag waren wir komplett allein und haben die Aussicht auf die Bucht mit riesigen donnernden Wellen und Fische jagenden Möwen und Pelikanen genossen.

Am nächsten Tag allerdings rollte einer der berüchtigten Tucan-Travel-Monsterbusse mit einer Horde übergeschnappter Neuseeländer an, die uns mit Bus und Zelten umlagerten – vorbei war es mit der Ruhe und dem Frieden. Zu allem Überfluss fiel den angetrunkenen Teenies nachts nichts Besseres ein, als ihre Feuerwerkskörper direkt vor unserem Büssli zu zünden. Da ist dann mal wieder die Hutschnur geplatzt...

Okay, wir wollten ja eh weiter Richtung Arequipa. Das bedeutete allerdings, von Meereshöhe wieder auf über 2300müNN zu fahren, und wir hatten es uns mit unserem rasselnden Motor erstmal nicht getraut, die Serpentinen einfach hochzuknallen. Wir haben also den einzigen auffindbaren Feldwaldundwiesen-Mechaniker zu Rate gezogen, der meinte, das liege an der Zündeinstellung, und sobald wir wieder ins Hochland führen, würde das Geräusch verschwinden. Und siehe da, ab 900müNN hörten wir kein Rasseln mehr. Das hätten wir gern einmal von den zahlreichen hier mitlesenden Maschinenbauern erklärt bekommen, warum das so ist. Offensichtlich kann man ja mit schlechtem Benzin in dünner Luft besser fahren als in dicker Luft. Hä? Verschiedene Zündeinstellungen hatten wir übrigens probiert, ohne Erfolg.

In Arequipa am Hostal Mercedes angekommen, trafen wir endlich mal die Mariposas (www.mari-on-tour.jimdo.com), zwei Schweizer, die auch mit einem VW T3 unterwegs sind und die wir bisher nur per Mail kannten. Zusammen sind wir zum Colca Cañon gefahren, einer der tiefsten Schluchten der Welt und ein guter Ort, um Kondore zu beobachten. An dem Aussichtspunkt Cruz del Condor haben wir direkt an der Schlucht übernachtet und konnten am nächsten Morgen den eintreffenden Tourimassen zuschauen, wie sie die umliegenden Klippen bevölkerten. Morgens ist nämlich die beste Zeit, um die aus den Felswänden in die Lüfte steigenden Kondore zu beobachten. Wir haben auch prima Wetter erwischt, und wie im Reiseführer angekündigt gegen neun Uhr stiegen die ersten Kondore auf. Sehr beeindruckend, wie die Vögel mit den riesigen Schwingen ohne einen einzigen Flügelschlag die Thermik ausnutzen und sich in die Höhe schrauben können. Die Schlucht ist seit Jahrtausenden mit Terrassen intensiv landwirtschaftlich genutzt, dennoch ist der enge Teil des Cañons erst seit den Siebziger Jahren entdeckt und mit einer Piste erschlossen worden.

Derzeit sind wir wieder in der hübschen Kolonialstadt Arequipa, und in den nächsten Tagen fahren wir weiter gen Süden nach Chile, um über den Paso de Jama nach Argentinien zu gelangen, schliesslich kriegen wir ja in Salta bald Besuch aus Hamburg!

Kommentare:

  1. Das Klopfen des Motors, was dem Motor nicht gut bekommt, hängt von der Oktanzahl (siehe auch Wikipedia) und verschiedenen anderen Faktoren, u.a. wesentlich von der Kompressionsrate ab. Je geringer der Luftdruck, desto weniger Kompression und damit weniger Motorklopfen. Abhilfe: den Motor weniger belasten.

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  2. Einen schönen Ostersonntag wünschen wir Euch im fernen Peru. Bei uns blühen die Osterglocken, Tulpen und Primeln im Garten in Deutschland.
    Seid lieb umarmt von
    Renate und Helmut

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  3. ...und der Besuch ist schon ganz aus dem Häuschen. Wird Zeit, dass es losgeht, denn die Umgebung des Besuchs ist schon langsam so vollgelullt von dem Thema, dass sie bald die Waffen streckt :-D

    Ausserdem warnt der Besuch die Büsslifahrer: es könnte passieren, dass er unterwegs lauter so puschelige Viechers wie das da oben einsammelt! Ein Maultier kann man doch einfach hinten anbinden, oder? Von den Kondoren hält er (Hitchcockgeschädigt) besser Abstand, ist aber genauso fasziniert.

    Mal wieder eindrucksvolle Fotos! Ob die Mumie wohl einverstanden ist damit, jetzt so öffentlich rumsitzen zu müssen? hm...

    Hasta pronto queridos!
    Carolina.

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  4. Moin auch,

    in BS sind es heute 14°,Sonnenschein,kein Problem mit der Oktanzahl des Treibstoffs und der Kompression des Motors :) Verdeck ist offen und ab durch den Elm, 323.3 m ü. NN...yes!

    LG C

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  5. Liebe Angela, lieber Cornelius,
    vielleicht erinnert Ihr Euch noch an Ana&Rolf beim Tuerken in Arequipa. Wir sind inzwischen wieder in Lima, nachdem wir wunderbare Tage im Valle del Colca verbracht haben. Wir werden Eure Berichte weiterhin mit grossem Interesse verfolgen! Euch noch viel Spass und eine spannende und ereignisreiche Weiterreise.
    Liebe Gruesse
    Ana&Rolf

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